<
BuiltWithNOF

In den letzten Jahren entwickelt sich mit steigender Tendenz eine neue Form abhängigen Verhaltens, das nach dem Suchtmittel benannt wird, wie es bei den anderen Formen süchtigen Verhaltens erfolgt. Wir benennen dieses Phänomen Spiel - und Computersucht. Die Dunkelziffer ist hoch, weil erst dann in der Regel therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird, wenn der Suchtcharakter so deutlich geworden ist, dass Arbeitsverlust, Schulstrafen oder Verschuldung eingetreten ist. Wir wissen auch noch zu wenig darüber, inwieweit im Falle süchtigen Verhaltens ähnliche krankhafte Veränderungen im Denken entstehen, die vergleichbar wären mit anderen Suchterkrankungen oder ob hier doch andere Bedingungen vorliegen, weil das eigentliche Suchtmittel (z. B. Alkohol, Drogen, Medikamente, Nahrungsentzug oder- Überschuss) mit dem Spiel am Computer oder am Automaten nicht vergleichbar ist.

Spiel- oder /und Computersucht zeichnet sich dadurch aus, dass Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, vornehmlich, männlichen Geschlechts,  einen Großteil der Tages- oder Nachtzeit beim Spiel am Computer verbringen oder  direkt mit dem Computer verbunden sind, und dabei süchtiges Verhalten entwickeln. Sie vernachlässigen Essen, Trinken und Schlaf, reagieren aggressiv und gereizt, wenn sie gestört werden, vernachlässigen die körperliche Pflege und die persönliche psychische Hygiene. Sie sind unfähig sich vom Suchtmittel zu trennen, sind unkritisch und naiv und ganz darauf orientiert  im Spiel zu siegen oder den Computer zu bezwingen. Die soziale und familiäre Kommunikation wird auf ein Mindestmaß reduziert, die emotionalen Bindungen nehmen ab. Das , was früher von den “Reichen” bekannt ist, wie man sich durch Roulette oder andere Spiele in Armut und Abhängigkeit brachte, kann im modernen Zeitalter jeder durch den Computer realisieren und sich die sog. “große” Welt in das eigene Zimmer holen, ohne wirklich reich zu sein, den Traum von der Sieghaftigkeit und der eigenen Größe, von der Unbezwingbarkeit oder den Traum “ vom Tellerwäscher zum Millionär” in die eigene Wohnung zu holen.

Ein namhafter deutscher Soziologe hat das gesellschaftliche Phänomen am Beispiel des Fernsehens folgendermaßen beschrieben:

Wir haben eine neue Form von Gläubigkeit entwickelt. Es ist nicht mehr die Kirche, sondern der Fernseher oder der Computer. Zu einer festgelegten Zeit trifft sich die Gemeinde vor dem Fernseher oder dem Computer, alle haben teil und sind beteiligt, alle sind ein Teil der Gemeinde. Auf dem Altar steht nicht mehr das christliche Kreuz sondern das technische Gerät, der Fernseher oder der Computer. Alle die das Gerät eingeschaltet haben,  sind mit der Welt verbunden und haben das Gefühl, dabei zu sein. Der Heilige ist nicht mehr Gott, es sind die “Reichen” und die “Schönen” (vgl. Sendung gleichen Namens in RTL , die Fußballmillionäre, die Politiker oder die Schönen  und Unbezwingbaren wie im Märchen, oder die Spielfiguren. Wir tauchen ein in eine unreale und fiktive Welt, sind verzaubert wie im Märchen- aber zugleich abgewandt von der unschönen Wirklichkeit, die rauh, unbarmherzig und angstmachend ist. Wir kümmern uns nicht mehr um die realen Probleme des täglichen Lebens, um unsere Nächsten, sind unseren Sorgen entrückt und müssen uns nicht mehr mit der gesellschaftlichen Realität oder uns selbst auseinander setzen. Wir sind ein Teil der Vornehmen und Wohlhabenden, ein Teil der Sieger, wir gehören selbst zur Elite. 

Auf der einen Seite ist der technische und gesellschaftliche Fortschritt nicht aufzuhalten, auf der anderen Seite lauern immer Gefahren derart, dass der technische Fortschritt zu einer Entartung führt, wie wir es besonders aus der Waffentechnik kennen.

Der Computer ist nicht aus unserem Leben wegzudenken und seine Bedeutsamkeit wird eher ansteigen. Es ist auch nicht krank mit dem Computer zu spielen. Allerdings ist die Sinnhaftigkeit des Computer- Spiels kritisch zu hinterfragen, weil der Spieler  in den meisten Spielen nur noch den (realen oder auch kranken) Strategien des Programmentwurfs und Programmierers folgt. Es ist eine abhängige Spielform, in der die kreative Phantasie des eigenen Gestaltens nicht mehr gegeben ist. Wenn wir an den psychologischen Hintergrund des kindlichen Spiels denken, dient das Spiel dazu, dass das Kind im Spiel und durch das Spiel die reale Welt erfährt, erste eigene Erfahrungen macht, kurz das Leben erlernt, so wie es auch im Tierreich erfolgt. Das Spiel dient nicht dem Töten oder anderen Absurditäten. Und natürlich kann und darf auch der Erwachsene spielen, gemäß der Volksweisheit: “das Kind im Manne erwachen zu lassen (und sicherlich auch in der Frau)”.. Und natürlich dürfen wir einer Reihe von Computerspielen die Kreativität nicht absprechen. Es gibt eine Reihe von Berufen, in der das Spiel- hier Computersimulation genannt - dazu dient, Fähigkeiten im Umgang mit komplexen handwerklichen oder technischen Berufen zu erlernen, die in der Realität für Mensch und Maschine zu gefährlich und zu teuer wären (Flugzeugsimulatoren in der Pilotenausbildung, Ausbildung von Raumpiloten, Ausbildung von Chirurgen und Neurochirurgen für stereotaktische Operationen, Simulatoren für Lokführer).

Theoretisch und praktisch sind Spielsucht und die sog. Computersucht auseinander zu halten. Warum?

Weil beide nicht auf gleichen Ursachen beruhen und in der Regel zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Computersucht muss nicht unbedingt zum Computerspielen führen oder darin enden. Entweder stehen am Anfang technische Fragen im Vordergrund oder Probleme der sozialen Kommunikation.Da sind es auf der einen Seite zunächst Arbeitsfragen, die mit dem Computer gelöst werden und irgendwann zum Selbstzweck entarten. Wenn man mit dem Computer beschäftigt ist, kann man nicht gleichzeitig mit dem Ehepartner reden, sich von der Konfliktlösung fernhalten, weil man jetzt und nicht später arbeiten muss. Man kann sich eine Menge von Problemen scheinbar vom Hals halten, “weil die Arbeit ja wichtiger ist” und man auch begründen kann, warum man sich jetzt nicht mit den Problemen des Partners/ der Partnerin/ des  KIndes beschäftigen muss . Fazit: Flucht in die Computerarbeit zur Verhinderung partnerbezogener Konfrontationen. Und auf der anderen Seite können es Fragen der o.a. neuen Teilhabe am Leben der “Weltgemeinschaft” sein mit dem Gefühl, mit den anderen zusammen, mittendrin zu sein, allseitig informiert zu sein und alles in sich aufzusaugen.

Die anonyme Kontaktaufnahme, die unverbindlich und scheinbar ungefährlich für das eigene Ich ist, kann eine weitere Seite dieser Facette sein. Hier kann man sich äußern und Beziehungen herstellen oder mit anderen zu spielen, wozu man sonst nicht den Mut hätte, man kann seine intimsten Wünsche ungebremst äußern, weil man in den Anonymität ist und auf offenbar Gleichgesinnte orientiert ist oder den Partner sucht, in den man seine tiefsten Wünsche hinein projizieren kann oder auch im Spiel gewinnen oder verlieren ohne sich outen zu müssen. Fazit: Flucht in die Anonymität aus Angst sich bekennen zu müssen mit der Folge eines Selbstwertverlustes oder auch im Gegenteil einer narzisstischen Selbstwertüberhöhung. Beide Formen der Computersucht können völlig berechtigt und normal sein und haben im Grunde nichts mit einem Suchtpotential zu tun. Das könnten neue Formen pathologischer, sozialer Beziehungsaufnahmen sein. Wo das endet, wissen wir nicht. Allerdings ist zu befürchten, dass auf der einen Seite eine Sprachverarmung und damit ein Verlust und eine Reduktion des logischen Denkens erfolgen könnte oder sich eine Computersprache herausbildet, in der Gefühle kaum noch eine Rolle spielen und sich auf den Austausch abstrakter logischer Operationen beschränkt. Dann gäbe es eine Welt der “Wissenden” und eine andere, der “Nichtwissenden”, eine Welt, die ORWELL in seinen zahlreichen Büchern beschrieben hat. Wenn man die historische Entwicklung der Menschheit verfolgt, so sind kontinuierlich mit zunehmender Menschheitsentwicklung Sprachentwicklung und Vergrößerung der Hirnvolumens, besonders der frontalen Hirnabschnitte, zu beobachten. Das ist identisch mit einer Weiterentwicklung der menschlichen Persönlichkeit, in der Kreativität und logisch- abstraktes Denken, Reflexions- und Vorstellungsvermögen stets zugenommen haben. Damit aber gäbe es keinen Grund für die Horrorvisionen, weil die Menschen im Verlauf ihrer Entwicklung - manchmal auch nach Irrwegen- , zurückfanden zu den eigentlichen Werten des lebenswerten Lebens, in der die Sprachentwicklung stets Zeuge der Vervollkommnung des Denkens ist.

Wann werden Spielsucht/und /oder Computersucht psychopathologisch relevant und damit krankmachend?

Das ist der Fall, wenn aus dem Spiel oder der Computerabhängigkeit Suchtpotential entstanden ist. Dann gelten folgende primäre Symptome:

.eigene Unfähigkeit sich vom Suchtmittel zu distanzieren

-wiederkehrende Zwänge sich des Suchtmittels zu bemächtigen

-Unfähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten

- wiederkehrende Versprechen und Aussagen, sich ohne weiteres vom Suchtmittel trennen zu können, Verlagerung des Zeitpunktes auf eine ungewisse Zukunft, Auseinanderfallen von Wort und Tat.

- Vernachlässigung des eigenen Lebens, der täglichen Verpflichtungen (z.B.  Arbeitstätigkeit, Schule und Ausbildung nachgehen), der täglichen persönlichen Hygiene, Reduktion des Schlafverhaltens, Nahrungsaufnahme vor dem Suchtmittel.

- kontinuierliche Verlängerung der Beschäftigung mit dem Suchtmittel

- sozialer Rückzug, Vernachlässigung der Kontaktpflege

- Einsilbigkeit im Sprachverhalten

- nachlassende emotionale Bindungen

- Reizbarkeit und zunehmende affektiv - aggressive Tendenzen beim Entzug des Suchtmittels. Jeder Süchtige hat das Gefühl, dass ihm etwas weg genommen wird, ohne dass ihm etwas anderes gegeben wird, dagegen wird er sich wehren.

- Simplifizierung und Abnahme des logischen Denkens und der Abstraktionsfähigkeit

- zunehmende Emotionalisierung des Denkens

- Kaufsucht für neue Spiele, erhöhte finanzielle Aufwendungen bis hin zur Verschuldung beim Spielen in öffentlichen Spielkasinos, Abfall in die Kriminalität

 Die Therapie einer Spiel- bzw. Computersucht muss den Prinzipien einer konventionellen Suchttherapie folgen.

In einer ersten Phase ist die “Entgiftung” vom Suchtmittel nötig, in diesem Fall die Trennung von Computer und Spieler, um eine intellektuell - rationale Ansprechbarkeit des/ der Abhängigen zu erreichen. Erst danach ist eine intellektuelle Öffnung, eine kritische Reflexion über das eigene Verhalten möglich.

In einer zweiten, sich unmittelbar anschließenden Phase muss es darum gehen, das eigene Verhalten in einen neue, den Potenzen des Klienten entsprechende, Richtung zu lenken, emotionale Kontakte und soziale Beziehungen neu zu formieren, das eigene Leben mit einer neuen, motivierten Sinnhaftigkeit auszustatten, so dass Freude und Abwechslung im  eigenen Leben  möglich wird.

 Noch stärker als bei anderen Formen der Suchterkrankung ist der Einstieg über die Hypnose - Behandlung abhängig von der eigenen Motivation des Klienten. Das ist in der Regel nicht der Fall, wenn Eltern besorgt sind über die Spielsucht ihrer Kinder und Jugendlichen, diese aber den Sinn einer Therapie nicht akzeptieren, da ihr Leben bei den Eltern auch weiterhin abgesichert oder umsorgt ist, und sie keine Not leiden, möglicherweise auch Schule- oder Arbeitsbummelei durch die Eltern geduldet oder indirekt gefördert wird.

Vor einiger Zeit kam eine besorgte Mutter zu mir und schilderte, dass ihr 20- jähriger Sohn nicht arbeiten gehe, täglich von früh bis abends am Computer sitze und spiele, was sie machen könne. Er habe zwar eine eigene Wohnung , aber er lasse sie nur herein, wenn er das mal wolle. Auf die Frage, woher er denn sein Geld für seinen Lebensunterhalt bekomme, beschrieb sie, wie sie ihn ständig finanziell unterstütze und sogar seine Unterlagen für Harzt IV ausgefüllt habe. Sie sagte:” Ich kann einfach nicht zusehen, wie er so verkommt, er geht auch nicht arbeiten” . Als ich ihr verdeutlichte, dass sie durch ihre Unterstützung  sein Fehlverhalten passiv fördere, wurde sie nachdenklich und hinterfragte:” Ich soll ihn wirklich nicht mehr unterstützen? Ich soll zusehen, wie er verkommt und nichts mehr zu essen hat?” . Sie hat es geschafft, sich zu verändern mit dem Ergebnis, dass der betreffende junge Mann heute wieder einer geregelten Arbeit nachgeht, das sogar ohne eine Therapie.

Klinische Hypnose wird bei positiver Motivation des Patienten und einem entsprechenden Krankheitsdruck ohne Probleme zu einer deutlichen Suchtentlastung führen und durch die gesteigerte Kreativität in hypnotischer Trance eindeutige positive Veränderungen bewirken. Dafür gibt es gesicherte Belege im therapeutischen Alltag.

Wer häufig nachts Online-Computerspiele spielt, hat offenbar ein erhöhtes  Risiko für Depressionen. Das haben Schweizer Wissenschaftler nach  eigenen Angaben jetzt herausgefunden. Sie betonen, dass der Zeitpunkt,  wann gespielt wird, viel wichtiger für die psychische Gesundheit sei als die Spieldauer

Zur weiteren Anregung empfehle ich Ihnen http://www.danielplaikner.com/ und

  http://www.computersucht-besiegen.com/

                                                                         

zurück zur Hauptseite          

<