<
BuiltWithNOF

Die Showhypnose hat sich in den letzten Jahren zumindest in  Deutschland und den anderen europäischen Ländern sehr stark etabliert.  Verschiedene Internetanbieter ringen um den Markt und demonstrieren in  den Videos ihr Strategien, und das nicht mal schlecht. Zielgruppen der  Showhypnotiseure sind medizinische Laien, denen eine Hypnoseausbildung  für die Bühne angeboten wird. Zweck ist die die Unterhaltung der  Zuschauer. Inzwischen gibt es auch sog. Hypnosetherapeuten, ein sich  selbst zugelegter Titel, den jeder für sich auswählen kann. Der Begriff  Therapeut und Hypnose sind in Deutschland nicht gesetzlich geschützt.  Jeder, der sich einer Behandlung bei einem solchen Therapeuten unterzieht,übernimmt für sich selbst die Verantwortung. Der jeweilige Hypnotiseur unterliegt nicht der gesetzlichen Verantwortung, der Schutz  des Gesetzes für eine medizinisch indizierte Behandlung trifft für ihn nicht zu. Selbstverständlich gibt es auch hier sehr  verantwortungsbewusste und weniger fachlich versierte Therapeuten, so  wie in allen Bereichen von Therapie und Behandlung. Es gibt mehrere  Unterschiede zu den medizinisch und curricular ausgebildeten  Hypnotherapeuten:

1. Alle curricular ausgebildeten Hypnotherapeuten besitzen  eine medizinische und/oder psychotherapeutische Ausbildung in Form von  Studium und Fachausbildung und müssen die Hypnoseausbildung im Rahmen  ihrer Fachausbildung postgradual absolvieren und bekommen dafür eine von allen Kassen und Kammern anerkannte Ausbildungszertifikat, dass ihnen  gestattet, mit Patienten zu arbeiten.

2. Für sie gelten rechtlich alle Normen und gesetzlichen  Vorschriften, die Pflichten und Handlungsvorschriften im Umgang mit den  Patienten. Während ein Showhypnotiseur durchaus seine Mitspieler dazu  auffordern und suggerieren kann, sich auszuziehen oder einen Orgasmus  vorzuführen, würde ein approbierter Hypnotherapeut dafür gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden und seine Behandlungs -oder Niederlassungs- Zulassung verlieren.

3. Der Patient ist damit gesetzlich geschützt.

4. Für jeden Hypnosetherapeuten gelten  die jeweiligen  berufsrechtlichen Regelungen (z.B. für Zahnärzte, Internisten,  Gynäkologen, Psychologen usw.)

5. Mit dem Ausbildungszertifikat der ausbildenden Einrichtung bekommen die curricular ausgebildeten Hypnotherapeuten eine  öffentliches Auftrittsverbot. Ausgeschlossen davon sind Demonstrationen  in Lehreinrichtungen der Universitäten und Institute vor Studenten und  Fachkollegen. Sie werden also niemals erleben, dass ein ausgebildeter  Hypnotherapeut die gesamte Hypnose öffentlich demonstrieren wird.

6. Jeder ausgebildeter Hypnotherapeut wird mit Indikationen  und Gegenindikationen der Hypnose vertraut gemacht  und wird vor allem  sehr sorgfältig mit der Desuggestion der Hypnose vorbereitet.

Showhypnose und Klinische Hypnose unterscheiden sich sehr  stark  dadurch, dass in der Showhypnose Zuschauer unterhalten werden und in der Klinischen Hypnose Patienten behandelt werden.

1. Die Showhypnose benötigt dafür aufgeschlossene, motivierte Mitspieler, die bereit sind, eine Show mitzumachen, die relativ gesund sind. Die Klinische Hypnose bezieht sich auf  körperlich bzw. psychisch verursachte Symptome und Beschwerden und deren Abbau bzw. Reduktion. Je stärker die Symptomatik, um so stärker ist die Behandlungsmotivation.

2. Der Showhhypnotiseur benötigt einen entsprechenden  Künstlernamen oder eine entsprechende Ankündigung oder eine sehr gute  Promotion, der Klinische Hypnotherapeut eine sehr gute medizinische und  /oder psychotherapeutische Fachausbildung, eine entsprechende  Fachkompetenz.

3. Der Showhypnotiseur benötigt eine Bühne, den Beifall des  Publikums, viele Mitspieler, der Klinische Hypnotherapeut bevorzugt die  Stille, die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinem Patienten, vor allem die wiederholte Anwendung der Hypnose innerhalb eines  geschützten Milieus. In der Regel erstreckt sich eine Behandlung mittels der Hypnose über mehrere Stunden und Monate.

4. In der Klinischen Hypnose wird jede Maßnahme mit dem  Patienten vorher besprochen oder angekündigt, in der Showhypnose wirkt  die Überraschung

5. Die Showhypnose benutzt die sog. Blitzhypnosen. Das sind Einleitungstechniken, z. B. der Fall nach hinten, den  Pendelversuch, der Handdrückmethode, der Kombination von Fixation und  vestibuären Reizen. Die Technik der Blitzhypnosen ist darauf gerichtet, durch schnelles Sprechen des Hypnotiseurs die Kontrolle des  Mitmachenden auszuschalten und eine schnelle, oberflächliche Entspannung einzustellen, um danach durch Suggestion der Armkatalepsie oder  Levitation oder Amnesie die Hypnosewirkungen darzustellen. Allein die  Nennung des Wortes ” Hypnose”€ und die davon ausgehende suggestive  Wirkung ist so stark, dass zwei Dritte aller Menschen recht schnell  bereit zum Mitmachen sind und häufig auch überzeugt davon sind, dass sie in einem Hypnosezustand sind. Das ist experimentell bewiesen worden.  Die Klinische Hypnose arbeitet immer in tieferen Zuständen der  Entspannung und könnte mit der alleinigen Blitzhypnose therapeutisch  nicht viel erreichen.

6. Mit den Blitzhypnosen werden emotionale Überraschungs- und Verwirrungszustände geschaffen, in denen die rationale Kontrolle des  Mitmachenden abgeschaltet bzw. erschwert werden. Es wirken sog.  Wachsuggestionen, die sich dadurch auszeichnen, dass oberflächliche  Entspannungszustände auftreten, von denen die Mitmachenden allerdings  das Gefühl haben, unter Hypnose zu sein. Es sind also Zustände rein  gefühlsmäßiger Art, die automatisch also unbewusst wirken und in diesem  Moment entweder gar nicht oder wenig kontrolliert werden. In ihnen ist  das Mitmachen, die Bezogenheit auf den Hypnotiseur im Vordergrund und  dieser übernimmt damit auch in diesem Moment für den Mitmachenden seine  Verantwortung. Der Mitmachende übergibt seine Verantwortung emotional an den Hypnotiseur. Therapeutisch würden wir das als therapeutische  Regression einordnen. Logisch und verstandesgemäß ist das nicht  nachzuvollziehen, Hier muss man wissen, dass emotionale Prozesse nicht  verstanden€ werden können. Die Bereitschaft auf solche emotionalen  Prozesse zu reagieren, ist wesentlich stärker als dass, was der Laie  erwarten würde, besonders stark auf der Bühne , vor einer Fernsehkamera  oder im Operationssaal. Es gelten emotionale Gesetze, die nicht der  elementaren Logik gehorchen, die nur dann nachgefühlt werden können,  wenn man selbst einen solchen Prozess durchlaufen hat. Das nennen die  ausgebildeten Therapeuten Selbsterfahrung€, die jeder Therapeut  durchlaufen muss. Eine Ahnung von solchen Prozessen kann man man nur  dann haben, wenn man an folgende Beispiele denkt:

“ mir läuft schon der Speichel im Mund zusammen, wenn ich nur an den Geruch /Geschmack/ (Kuchen, Essen, Zitrone,) denke”€

“ nur wenn ich daran denke, wird mir schon schlecht...”(z.B. Blut, Wunden Operationen, Unfälle, Katastrophen )

Allein Gedanken, emotionale Prozesse oder stark emotional  besetzte Handlungen ( Katastrophen, religöse Handlungen) lösen Prozesse aus, die spontan, also automatisch und relativ unkontrolliert sind und  nicht mehr der verstandesgemäßen Kontrolle unterliegen.

Es handelt sich in jedem Falle nicht um die Leistungen des Hypnotiseurs, sondern um Leistungen des Mitmachenden oder Patienten.

Die Klinische Hypnose könnte mit solchen Wachsuggestionen  allein nicht arbeiten, ihre Wirkungen wären viel zu gering. In der  Klinische Hypnose lösen sich alle Körperkonturen auf. Der Patient kommt  in Zustände, die von den über viele Jahre meditierenden Mönchen als  ”das Verschmelzen von Körper und Geist”  beschrieben werden. Wir würden eher von Trance  reden. Das ist  kaum mit den Blitzhypnosen zu erreichen.

7. “Gute”€ und ”schlechte” € Showhypnotisieure und Klinisch  ausgebildete Hypnotherapeuten kann man dadurch unterscheiden, ob die  Mitmachenden nach der Hypnose voll wach oder verwirrt sind, und welche  Aufgaben ihnen durch den Hypnotiseur unter hypnotischem Zustand gestellt werden. Besonders nach Showhypnosen kann man oft umherirrende Akteure  nach der Show sehen, bei denen das hypnotische Geschehen weiter wirkt,  diese Personen noch unter Hypnose stehen und nicht durch die  Bühnenhypnotiseure beachtet werden. Das ist schlechthin grob fahrlässig, unverantwortlich, der Gesetzgeber geht aber vom mündigen Bürger aus,  der selbst entscheiden kann, ob er sich einem Bühnenhypnotiseur  anvertraut oder nicht. 

zurück zur Hauptseite          

<