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Was hat bisher mehr Gemüter erregt, als die Frage: Kann man unter  Hypnose Verbrechen ausüben? Viele Romane und Filme haben sich der Frage  gewidmet und haben Millionen in diesen Bann gezogen. Ängste gibt es auch dazu auf verschiedenen Fernsehkanälen entsprechende Reportagen und  ernst gemeinte Versuche mit Showhypnotiseuren. Einige Showhypnotiseure  glauben daran, dass dieses möglich ist und haben entsprechende  Vorstellungen gegeben. Ich bin auf diese Frage erst richtig ernsthaft  gestoßen, als mir eine Patientin sagte: ”€ Sie haben mir gesagt, dass man  unter Hypnose keine Verbrechen suggerieren kann. Nun habe ich mir aber  gemeinsam mit einem befreundeten Neurologen in der Fernsehsendung ...X  zeigen lassen müssen, dass das doch möglich ist. Als der Mitagierende  nach der Hypnose befragt wurde, warum er den zweifelhaften Auftrag des  Showhypnotiseurs ausgeführt habe, hat der gesagt:”  Sie haben mir gesagt , dass ich das tun soll”€. € Was sagen Sie denn nun, das geht offenbar  doch?

Abgesehen davon, dass eine kriminelle Hypnose nicht mit dem  Anliegen einer Klinischen Hypnose zu tun hat, könnte man ja denken,  “Na, ja, könnte nicht doch ein Therapeut sein Wissen für eine  kriminelle Sache opfern ?”

Dann wissen wir, es würde der Gesetzgeber nach Bekanntwerden sofort einschreiten. Na gut, das ist das eine.

Forschungsergebnisse dazu?

Schon, aber alle Ergebnisse beweisen  nichts, denn alle unter Hypnose stehende Personen, wissen, dass Sie unter Hypnose stehen. Es  lassen sich keine Blind- oder sogar Doppelblind- Studien organisieren.  Auch unter Hypnose ausgelöste Amnesien sind nach ERICKSON als  motiviertes Vergessen einzuordnen, als task motivation. Es gibt  keinerlei experimentelle oder wissenschaftliche Belege für die  Beantwortung der Frage.

Wie sieht es mit strafrechtlich relevanten Urteilen  international aus? International liegen keine Nachweise darüber vor,  dass jemals eine Verurteilung für eine Straftat unter Hypnose ausgeführt wurde. Vor wenigen Jahren machte ein Verfahren aus Niedersachsen in  Deutschland Schlagzeile. Ein psychotherapeutisch Tätiger wurde  von  einer Patientin angezeigt, dass er  an ihr unter Hypnose eine sexuelle  Straftat begangen habe. Nicht bekannt ist, ob diese Patientin in der  Hypnose dieses bewusst erlebt hat, wie sie zu ihm stand und ob sie sich  gewehrt hatte oder nicht. In der ersten Instanz wurde der Angeklagte  als  schuldig verurteilt, weil Gutachten einiges offen ließen. Er verlor  seine Zulassung. Die zweite Instanz hat dann dieses Urteil bestätigt.  Das ist international einmalig. Vergleichsfälle gibt es meines Wissens nach nicht.

Was wissen wir über die Hypnose?

1. Es gibt keine Hypnose ohne Mitgestaltung des Patienten, jede Hypnose ist die Leistung des Hypnotisierten.

2. Auch in der tiefsten Hypnose weil der Patient immer, dass er unter Hypnose ist.

3. Es ist eine Dissoziation des Kontrollbewusstseins möglich, aber keine vollständige Abschaltung des Verstandes. Auch in der  tiefsten Hypnose bleiben   kontrollorientierte Regulationen im Sinne  von Soll /Ist - Zuständen erhalten.

4. Die Amnesie unter Hypnose wirkt nur in 30% aller Fälle.  Eine vollständige Amnesie für den gesamten Hypnoseprozeß ist bisher  experimentell nicht bestätigt worden, könnte unter Hypnose wieder  aufgelöst werden und kann immer selbst in tiefsten Hypnosestadien   zumindest teilweise erinnert werden.

5. Jede Handlung unter Hypnose unterliegt automatisch  verankerten Mechanismen der Handlungsregulation. Der Handelnde unter  Hypnose kann sich orientieren, wahrnehmen, Hindernisse erkennen und  umgehen. Er fühlt sich nur viel ruhiger und gelassener. Nur Hysteriker  würden gegen Hindernisse laufen.

6. Die automatisch verankerten Handlungsregulationen  gehorchen gefühlsmäßig und gelernten Steuerungen. Jede Steuerung würde  unterbrochen werden, wenn sich die Handlung gegen das Selbst richtet.  Ausnahmen bilden psychotische und depressive Erkrankungen sowie  bilanzorientierte suizidale Einstellungen.

7. Jeder unter Hypnose Handelnde weiß, was er tun könnte, um ein Problem zu lösen, eine kreative Problemlösung anzuzielen, gehört in der Klinischen Hypnose zu den stärksten therapeutischen Möglichkeiten.  Aber nicht immer tut er es und wartet auf die weitere Führung des  Therapeuten.

8. Unter Hypnose ist das Phänomen zu beobachten, dass der  Hypnotisierte ganz auf die Aufgabenerfüllung ausgerichtet ist und andere Details mitunter ausblendet, dass er also nur wahrnimmt, was für die  Aufgabenerfüllung bedeutsam ist. Aber er kann Hindernisse erkennen,  diese umgehen und nur demonstratives Showverhalten ist verbunden mit dem Nichterkennen von Hindernissen.

Gibt es eine Antwort auf  eingangs gestellte Frage? Ich denke ja, auch wenn diese nichts mit der  Hypnose zu tun hat. Der sog. MILGRAM- Effekt ist in einer Show - oder  Therapie- Beziehung offenbar nie auszuschalten. Sie werden fragen, was  ist das? Ich berufe mich hier auf die Ausführungen der WIKIPEDIA (http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment)

Das Milgram- Experiment ist ein erstmals 1961 in New Haven durchgeführtes psychologisches  Experiment, das von dem Psychologen Stanley Milgram entwickelt wurde, um die Bereitschaft durchschnittlicher Personen zu testen, autoritären  Anweisungen auch dann Folge zu leisten, wenn sie in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen stehen. Das Milgram-Experiment sollte ursprünglich  dazu dienen, Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus  sozialpsychologisch zu erklären. Dazu sollte die €žGermans are  different -These geprüft werden, die davon ausging, dass die Deutschen  einen besonders obrigkeitshängigen Charakter haben. Nach den ersten  Ergebnissen der Untersuchung in New Haven schien dies jedoch nicht mehr  notwendig, auch weil die Untersuchung in ihrem Aufbau wesentlich  grundsätzlicher angelegt war.

[1] Milgram erhielt für diese Arbeit 1964 den jährlich  vergebenen Preis der American Association for the Advancement of Science in der Kategorie Sozialpsychologie. Die American Psychological  Association hingegen schloss Milgram wegen des Experimentes für ein Jahr aus, nachdem ein Kritiker ihm in der Zeitschrift American Psychologist  vorgeworfen hatte, ein €žtraumatisierendes Experiment vorgenommen zu  haben, das €žpotenziell schädlich für die Versuchspersonen sei.[2] Vor  allem wegen dieser Kritik, die auch von zahlreichen anderen Fachleuten  geäußert wurde, verweigerte die Harvard University Milgram später eine  Anstellung.

Der ganze Ablauf des Experiments ist wie ein Theaterstück  inszeniert, bei dem alle außer dem Probanden eingeweiht sind. Solch eine Experimentalanordnung übernahm Milgram von seinem Lehrer Solomon  Asch.[1] Eine Versuchsperson und ein Vertrauter des Versuchsleiters, der vorgab, ebenfalls Versuchsperson zu sein, sollten an einem  vermeintlichen Experiment zur Untersuchung des Zusammenhangs von  Bestrafung und Lernerfolg teilnehmen. Ein offizieller Versuchsleiter  (Experimentator, V) bestimmte den Schauspieler durch eine fingierte  Losziehung zum €žSchüler (S), die tatsächliche Versuchsperson zum  €žLehrer (L). Die Verabreichung eines elektrischen Schlags von 45 Volt  sollte der Versuchsperson die körperlichen Folgen elektrischer Schläge  vergegenwärtigen. Zudem wurde das an einen elektrischen Stuhl erinnernde Versuchsinventar gezeigt, auf dem der €žSchüler getestet werden sollte. Diese Versuchsanordnung mit der gewollten Assoziation wurde von den  Probanden zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt.[3]

Der Versuch  bestand darin, dass der žLehrer dem  €žSchüler bei Fehlern in der  Zusammensetzung von Wortpaaren jeweils einen elektrischen Schlag  versetzte. Dabei wurde die Spannung nach jedem Fehler um 15 Volt erhöht. In Wirklichkeit erlebte der Schauspieler keine elektrischen Schläge,  sondern reagierte nach einem vorher bestimmten Schema, abhängig von der  eingestellten Spannung. Erreichte die Spannung beispielsweise 150 Volt,  verlangte der Schauspieler, von seinem Stuhl losgebunden zu werden, da  er die Schmerzen nicht mehr aushalte. Dagegen forderte der dabei  sitzende Experimentator, dass der Versuch zum Nutzen der Wissenschaft  fortgeführt werden müsse. Wenn der €žLehrer Zweifel äußerte oder gar  gehen wollte, forderte der Experimentator in vier standardisierten  Sätzen zum Weitermachen auf. Die Sätze wurden nacheinander, nach jedem  geäußerten Zweifel der Versuchsperson, gesprochen und führten nach dem  vierten Mal zu einem Abbruch des Experimentes seitens des  Versuchsleiters. Damit die Sätze immer gleich ausfielen, wurden sie  vorher mit dem Schauspieler eingeübt, insbesondere auch, um einen  drohenden Unterton zu vermeiden.

In der ersten Versuchsreihe waren 65 Prozent der Versuchspersonen bereit, den €žSchüler mit einem  elektrischen Schlag mit den maximalen 450 Volt zu €žbestrafen,  allerdings empfanden viele einen starken Gewissenskonflikt. Kein  €žLehrer brach das Experiment ab, bevor die 300-Volt- Grenze erreicht  war. Nur ein Drittel aller Versuchspersonen behielten ihre Autonomie,  gehorchten nicht und widersetzten sich dem Versuchsleiter.

Das Experiment ist in  unterschiedlichen Varianten in anderen Ländern wiederholt worden. Die  Ergebnisse bestätigten generell einander, was eine kulturübergreifende  Gültigkeit der Ergebnisse zeigt.

Milgram kommentierte die Ergebnisse seines Experiments:

€ž”Die rechtlichen und philosophischen Aspekte von Gehorsam sind von  enormer Bedeutung, sie sagen aber sehr wenig über das Verhalten der  meisten Menschen in konkreten Situationen aus. Ich habe ein einfaches  Experiment an der Yale-Universität durchgeführt, um herauszufinden, wie  viel Schmerz ein gewöhnlicher Mitbürger einem anderen zufügen n würde,  einfach weil ihn ein Wissenschaftler dazu aufforderte.

Starre Autorität stand  gegen die stärksten moralischen Grundsätze der Teilnehmer, andere  Menschen nicht zu verletzen, und obwohl den Testpersonen die  Schmerzensschreie der Opfer in den Ohren klingelten, gewann in der  Mehrzahl der Fälle die Autorität. Die extreme Bereitschaft von  erwachsenen Menschen, einer Autorität fast beliebig weit zu folgen, ist  das Hauptergebnis der Studie, und eine Tatsache, die dringendster  Erklärung bedarf.

Schlussfolgerung: Je  autoritärer ein Vorgesetzter (Show- Hypnotiseur)/Hypnotiseur und je  geringer die Autonomie (Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit von anderen  Personen) eines Menschen ist, desto  stärker ist jeder Mensch unter  bestimmten Bedingungen bereit, nicht seinem Gewissen zu folgen, sondern  einer Autorität . Das funktioniert  ohne Hypnose.

Es ist anzunehmen, dass  unter trance- spezifischer Einengung des Bewusstseins diese Tendenz noch  stärker wird. Jeder Hypnotherapeut kennt den Sachverhalt, dass zwei  Drittel aller Patienten gut und schnell bereit sind, in die Hypnose zu  gehen, während ein Drittel zögerlich ihre Kontrolle abgeben und erst von der Nützlichkeit und Angenehmheit der Hypnose überzeugt werden müssen.  Derartige Tendenzen sind auch in der Show- Hypnose beobachtbar.

Wie weit geht die  hypnotische Abhängigkeit vom Hypnotiseur und Hypnotherapeuten? Meiner  Erfahrung nach, nur so weit, wie es dem eigenen Anliegen des  Hypnotisierten/ Patienten entspricht (Wunsch nach Heilung,  Beschwerdeabbau, Konfliktlösung, Wohlbefinden, Selbstbestätigung,  Anerkennung, Bedürfnisbefriedigung). Wenn ein solches Bedürfnis erfüllt  ist, reduziert sich die Motivation in Hypnose zu gehen, Ausnahmen  bestehen nur in Form von Neugiermotivation, also der Wunsch eine eigene  dem entsprechende Erfahrung zu machen. Die Bühnensituation entheben  jeden Mitmachenden seiner eigenen Verantwortung. Nur zu gern werden  unangenehme Erlebnisse sofort vergessen und verdrängt.

Man sollte sich jetzt die  Ausführungen des oben erwähnten Hypnosexperimentes vor Augen führen: “  Sie haben doch gesagt, dass ich das tun soll”€.  Von der Bedeutung einer  mitlaufenden Fernsehkamera ganz zu schweigen, eine Situation, in der man nicht verlieren oder sich blamieren darf, weil es öffentlich ist.

An dieser Stelle soll  MILGRAM noch mal zitiert werden: ich beobachtete einen reifen und  anfänglich selbstsicher auftretenden Geschäftsmann, der das Labor  lächelnd und voller Selbstvertrauen betrat. Innerhalb von 20 Minuten war aus ihm ein zuckendes, stotterndes Wrack geworden, das sich rasch einem Nervenzusammenbruch näherte. Er zupfte dauernd an seinem Ohrläppchen  herum und rang die Hände. An einem Punkt schlug er sich mit der Faust  gegen die Stirn und murmelte: “ Oh Gott lass uns aufhören€˜. Und doch  reagierte er weiterhin auf jedes Wort des Versuchsleiters und gehorchte  bis zum Schluss.”


 aus: Steven Schwartz: Wie Pawlow auf den Hund kam. München 1993

Nun kommen wir auf die eingangs gestellte Frage zurück: Ist  durch einen Hypnotiseur unter Hypnose eine kriminelle Handlung auslösbar oder besser suggerierbar?

1. Es gibt weder Belege für die Antwort in Richtung Ja€ noch für ein Nein€.

2. Wichtiger als die Frage “Kann die Hypnose eine kriminelle  Handlung begünstigen? “€ ist offenbar der MILGRAM-Effekt: “in welcher  Beziehung stehen Hypnotiseur /Hypnotherapeut und Versuchsperson bzw.  Patient?  “  In welcher Beziehung stehen Autorität / Dominanz/  Fachkompentenz des Show-Hypnotiseurs /Hypnotherapeuten zur Autonomie/  kritischen Reflexion des Hypnotisierten und in welcher Situation  (Angst/ Blamage/ Strafe/ Bedrohung des eigenen Lebens) werden diese  Komponenten wirksam? Ob Hypnose den MILGRAM-Effekt verstärkt bzw.  begünstigt, wissen wir bisher nicht. Für eine echte therapeutische  Beziehung ist diese Frage gegenstandslos, denn das Wohl eines Patienten/ einer Patientin ist Gegenstand einer Therapie.

3. Vielleicht müssen wir zur Erklärung auch das Phänomen der  Konformität ( Solomon Asch (1951â€, 1956)) und den autokinetischen Effekt  zur Erklärung heranziehen

4. Schließlich weiß der Hypnotisierte immer, das es ein  Experiment ist. Und genau diese Wissen relativiert alles, auch dass er  im Moment des Experimentes aller Verantwortung  enthoben ist und diese  durch Bühnensituation, Fernsehaufnahme oder Versuchsleiter übernommen  wird. Genau deshalb gibt es eben so viele Spekulationen, weil der  Ernstcharakter so nicht prüfbar ist. Und wenn er das wäre, wäre er nicht mit unseren humanistischen Grundüberzeugungen vertretbar. Alles bleibt  offen!

Wenn Sie sich bis hier durchgelesen haben, sollten Sie weiterrmachen mit der Seite MINDCONTROL und MK-Ultra. Das sind die neuesten Belege dafür, wie Hypnoseauch mißbraucht werden kann.

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