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 Mönche waren auf das persönliche Geheiß des Dalai Lamas nach Madison gereist, um dort in der engen Röhre eines Magnetresonanztomographen (MRT) zu meditieren. In einem zweiten Versuch praktizierten die Mönche dann die besondere Meditationsform des «vorbehaltlosen Mitgefühls», während ihre Hirnströme von 256 Elektroden aufgezeichnet wurden. Alle Mönche hatten über viele Jahre zwischen 10 000 und 50 000 Stunden mit Meditation verbracht - nur solch geübten Meditierenden ist zuzutrauen, dass sie sich auch noch im dröhnenden Lärm eines Tomographen in wenigen Sekunden meditativ versenken können

Das Resultat gilt weit herum als spektakulär: Die meditierenden Mönche zeigten extreme Aktivität im linken Frontalhirn, was laut Richard Davidson kennzeichnend sei für Menschen mit einer optimistisch -ausgeglichenen Grundhaltung, mit einem «positiven affektiven Stil», wie er es nennt. Beim Praktizieren des «vorbehaltlosen Mitgefühls» - einer tibetischen Meditationsform, bei der Liebe und Mitgefühl den gesamten Geist durchdringen - zeigten die EEG-Messwerte noch eklatantere Unterschiede zu normalen Versuchspersonen: Die sogenannte Gamma-Aktivität (Wellen mit einer Frequenz von über 30 Hertz , die kognitive Höchstleistungen begleiten) stieg während der Meditation nicht nur stark an, sie breitete sich auch in einer durchaus unüblichen Weise über das ganze Hirn hinweg aus.

Und hier könnte der Unterschied zwischen Hypnose und Meditation liegen, denn die Hypnose führt zu einer fronto - kortikalen hirnelektrischen Aktivierung und Durchblutung.

Die extremen Gamma-Werte könnten seiner Meinung nach jener extremen Wachheit entsprechen, die viele Meditierende beschreiben. Da so starke und ausgedehnte kohärente Gamma -Oszillationen, wie sie Davidson beschreibe, unter normalen Umständen nie auftreten, könnten sie jenen Zustand kennzeichnen, der von den Betroffenen als ein Einswerden des Subjekts mit der Welt beschrieben wird.

Noch ist die Wissenschaft weit davon entfernt, den Prozess der Meditation zu verstehen. Immerhin wird heute anders als noch vor zwanzig Jahren nicht mehr bezweifelt, dass es das Phänomen der mystischen Erfahrung oder Erleuchtung gibt, von der so viele Einzelpersonen aus allen Kulturen der Welt berichten. Ebenso besteht heute Konsens darüber, dass es einen speziellen Bewusstseinszustand der Meditation gibt, der sich abgegrenzt von verwandten Zuständen wie Hypnose oder Trance und der irgendwo zwischen Konzentration und Entspannung liegt. Doch eine eigentliche wissenschaftliche Definition der Meditation steht noch aus. Gemeint ist jedoch jenes Krafttraining für den Geist mit dem Ziel der «gedankenfreien Wachsamkeit», all jene Praktiken also, bei denen es darum geht, sich ganz auf eine bestimmte Wahrnehmung - zum Beispiel des eigenen Atems - zu konzentrieren, um schließlich nicht mehr zu denken, zu sehen, zu hören oder zu fühlen, sondern sich selbst bei diesen Tätigkeiten des Geistes zu beobachten

Besonders deutlich war der Effekt in den Hirnarealen, die für die emotionale Verarbeitung von Schmerz zuständig sind, schreiben die Forscher. Sie vermuten daher, dass die regelmäßige Meditation nicht das Schmerzempfinden selbst, sondern das damit verbundene Leiden reduziert. Das könnte beispielsweise auf eine vermehrte Produktion körpereigener opiumartiger Substanzen zurückgehen oder aber auf die Verminderung allgemeiner körperlicher Reaktionen wie Anspannung oder Stress, die den Schmerz sonst verstärken. Was genau den Effekt verursacht, wollen die Wissenschaftler nun als nächstes untersuchen.

 

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