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Die bisherigen Erkenntnisse lassen die Schlussfolgerung zu, daß Anästhesie erzeugt werden kann unter Hypnose, wenn:

Analgesie trainiert wird

verbunden wird mit posthypnotischen Suggestionen der Schmerzfreiheit

eine Realsituation bevorsteht, vor der ein Betreffende schmerzlos sein möchte

Nach unseren Erfahrungen ist daran zu denken, dass:

  • Analgesie und Anästhesie abhängig sind von der Hypnosetiefe
  • Patienten mit Kontrollzwängen häufig auf der Stufe der Analgesie stehen bleiben
  • Analgesie und Anästhesie an allen Stellen des Körpers durchführbar sind, auch an empfindlichen Stellen wie Mund, Lippen und Gesichtsbereich.
  • alle Anästhesien mit posthypnotischen Suggestionen der Schmerzfreiheit verbunden werden sollten.
  • alle Analgesien und Anästhesien sollten mit einer Amnesie über die Schmerzen verbunden werden.

Normalerweise unterscheidet man bei der Schmerzwahrnehmung zwischen sensorischer und affektiver Komponente, also zwischen dem objektiven Schmerz und dessen gefühlsmässiger Verarbeitung. Für die Erklärung der hypnotischen Analgesie sind die Untersuchungsergebnisse von RAINVILLE, DUNCAN und PRINCE (1997/98) daher interessant. Mit Hilfe der Positronenemissionstomographie (PET) gelang es ihnen, den hypnotischen Effekt der Suggestionen bezüglich der Schmerzverarbeitung im Hirn zu klären. Unter entspannten Wachbedingungen produzieren Schmerzreize eine Zunahme des regionalen zerebralen Blutflusses in den primären und somatosensorischen Kortexarrealen ebenso wie im anterioren Gyrus cinguli (ACC). Hypnotische Suggestionen zur Veränderung der affektiven Schmerzverarbeitung ergaben signifikante Veränderungen im rechten ACC, nicht aber in den primären oder somatosensorischen Kortexarrealen. Suggestionen, den Schmerz als schlimm zu empfinden, produzierten im ACC eine erhöhte regionale zentrale Durchblutung, während die gegenteilige Suggestion, den Schmerz als weniger schlimm zu empfinden, einen deutlich geringere, regionalen zerebralen Blutfluss im ACC bewirkte. In den primären und somatosensorischen Kortexregionen waren die Veränderungen des Blutflusses weniger deutlich.  Die Bedeutsamkeit des Gyrus cinguli für die hypnotische Schmerzverarbeitung wird auch durch die Untersuchungsergebnisse von KROPOTOW (1997) unterstrichen. Er hatte einer Patientin Elektroden im ACC, in der Amygdala sowie im temporalen und parietalen Kortex eingesetzt. Es wurden intrakranielle Ableitungen von somatosensorischen Potentialen (SERPs) auf schmerzhafte Hautreize durchgeführt. Nur unter Hypnose kam es zu einer signifikanten Reduktion der positiven SERP-Potentialen im linken ACC und einer signifikanten Verstärkung der negativen SERP-Potentiale im linken anterioren ACC (BRODMAN-Region 21). In der Amygdala und den somatosensorischen Potentialen wurden keinerlei nennenswerten Veränderungen registriert. All diese Befunde stimmen überein mit Aussagen von Patienten nach frontaler Lobotomie oder Cingulotomie, die darüber berichten, dass der Schmerz noch zu spüren ist, aber nicht mehr stört (MEYER 1998). Dass Hypnotische Schmerzreduktion nicht mit Einbildung zu tun hat, geht aus den Untersuchungen von KIERNAN et al. (1995) hervor.

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