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  Klinische Hypnose lässt sich natürlich auch in der Komplextherapie depressiver Erkrankungen sehr gut integrieren. Das gilt für die Residualsymptomatik bei den früher als endogenen Depressionen bezeichneten depressiven Erkrankungen (heute         Major-Depression) als auch den sogenannten exogenen Depressionen, die früher als reaktive Depressionen bezeichnet wurden. Letztere Erkrankungen würden wir heute eher gemäss ICD 10 in den Bereich F 32 -F 38 einordnen. Die heute mehr biologisch orientierte Psychiatrie, der Kostensenkung im Gesundheitswesen verpflichtet, greift in der Regel  zu den Antidepressiva. Und natürlich lassen sich depressive Erkrankungen mitunter auch nur antidepressiv behandeln, oder wir finden bei einem depressiv veränderten Patienten nur nach einem medikamentösen Behandlungseinstieg einen psychotherapeutischen Zugang. Auch zu verstehen ist, wenn ein depressiver Patient den Wunsch hat ohne Medikamente behandelt zu werden. Nicht immer lässt sich dieses realisieren, zumal der antidepressive Behandlungsversuch auch über die Differentialdiagnose entscheidet kann. Bei einem hochgradigen Paniksyndrom mit akuten Todesängsten wird häufig der medikamentöse Einstieg eine gute Grundlage für den späteren Übergang zu einer Psychotherapie sein, denn im akuten Bedrohungszustand  findet keine Psychotherapie Einstieg.

Ergebnisse der neueren Depressionsforschung belegen, dass die klassische Unterscheidung von “endogenen” und “reaktiven” Depressionen heute kaum aufrecht zu halten ist. Eine Reihe neuro- biologischer Forschungsergebnisse der letzten Jahre spricht dafür, dass depressive Veränderungen in spezifischen Hirnbereichen ihren organischen Niederschlag finden. Besonders hemispherische Strukturveränderungen in fronto- kortikalen Bereichen sind gefunden worden. Nachweisbar waren depressive Reaktionen schon bei Neugeborenen. Aus der Trauma - Forschung wissen wir, dass in der frühen Kindheit ausgelöste Traumata strukturelle Veränderungen in Hippocampus und Amygdala erzeugen. Andererseits ist bekannt, dass durch Lernvorgänge im Hirn neue synaptische Verbindungen aufgebaut werden können, also Hirnzellen bilden sich auch neu. Damit ist das frühere Wissen, wonach Hirnzellen nicht neu gebildet werden können, widerlegt.

 Depressive und Zwangserkrankungen sind in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen hoch industrialisierten Ländern angestiegen. Grund dafür sind maximale Gewinnsucht aller Konzerne, eine dadurch hervorgerufene massive und rücksichtslose Ausbeutung der Arbeitskraft, die immer geringer werdende Arbeit, die zunehmende Existenzangst und Arbeitslosigkeit, die Zunahme von Terror und Gewalt, die Verrohung der Gesellschaft, der Untergangs gesellschaftlicher Werte und Normen und das Auflösen der Kooperation unter den Mitgliedern der Gesellschaft. So können wir begreifen, wie gesellschaftliche Veränderungen krankheitswertige Bedingungen annehmen können.

Natürlich wissen wir nicht, auf welchem Wege solche krankheitsverursachenden Bedingungen  somatisiert werden,  wir können diese nicht einfach beseitigen, wir können nicht die Gesellschaft therapieren und wir haben auch keine Erklärung dafür, warum einzelne Menschen depressiv erkranken und andere nicht.

Studien der letzten Jahre weisen eindeutig nach, dass:

1. antidepressive Medikationen in der Therapie depressiver Erkrankungen unersetzbar sind

2. aber viel weniger Wirkung von ihnen ausgeht, als allgemein angenommen wird. Es wird zu viel und zu leicht ein  Antidepressivum verschrieben und eingenommen. In den USA hat inzwischen fast jedes zweite Kind Antidepressiva eingenommen. Der Markt der antidepressiven Medikamente boomt. Vergleichende Therapiestudien belegen, dass antidepressive Medikation und Psychotherapie in etwa gleich gute Wirkungseffekte haben, aber keine Therapie durch die andere ersetzbar ist.

3. Psychotherapien wirken bei allen depressiven Erkrankungen. Sie können aber die Rezidive nicht verhindern und  auch die Wiedererkrankung nicht verhindern. Sie behalten in der antidepressiven Therapie ihren Stellenwert, wenn auch mit Psychotherapie allein eine depressive Erkrankung nicht geheilt werden kann.

4. Übereinstimmend ist das Ergebnis aller Therapiestudien: der beste Behandlungseffekt wird durch die Kombination von antidepressiven Medikamenten und Psychotherapie erreicht.

Damit stellt sich die Frage: Welchen Stellenwert hat die Klinische Hypnose in der Komplexbehandlung von depressiven Erkrankungen?

Klinische Hypnose ist dann in der Behandlung von depressiven Erkrankungen indiziert, wenn:

1. depressive Zustände durch emotionale Beeinträchtigung oder Frustration der Bedürfnisbefriedigung ausgelöst werden (z.B. Kränkung, Versagung, Aggressionshemmung, Konflikthaftigkeit, Rückzug, Post- Traumata, Ich- Schwäche, Impulsivität der Reizverarbeitung)

2. der depressive Schub antidepressiv- medikamentös gut eingestellt worden ist, der Patient wieder emotional ansprechbar und konzentrationsfähig ist und die sogenannte Minus- Symptomatik im Vordergrund steht.

3. im Rahmen der Komplexbehandlung die medikamentöse Therapie langsam ausgeschlichen und durch Psychotherapie abgelöst oder ergänzt wird.

Das Ziel der Klinischen Hypnosebehandlung ist in Punkt 2 und 3 gerichtet auf:

a (im Sinne des mindfulness-therapy-Ansatzes) die Orientierung des Körpers zur  Abschaltung des “Autopiloten”

b die Reduktion der Unruhezustände und zwanghafter Gedanken

c  den Abbau der Schlaflosigkeit

d  konzentrative schöpferischer Meditation zum inneren Paradigmen - und Strategiewechsel

e   zunehmende Ich- Stärkung durch positives Framing   

Unter Punkt 1 kann das Ziel der klinischen Hypnose symptomatisch ebenfalls auf die Ziele a bis e orientiert werden. Kausal wäre dann aber in erster Linie an die aufdeckende hypno - analytische Arbeit der depressions- verursachenden Konfliktquelle zu denken.      

  

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