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Wie gut Hypnosevorbereitung- oder Unterstützung unmittelbar vor oder nach operativen Eingriffen eingesetzt werden kann, berichteten uns in den Hypnosegruppen teilnehmende operativ orientierte Gynäkologen, Chirurgen und Anästhesisten. Im Extremfall kam es soweit, dass sich die Patienten nur noch dann operieren lassen wollten, wenn der betreffende Kollege vorher die Patienten mit Hypnose vor der Operation vorbereitete. Natürlich ist unter den gegenwärtigen Bedingungen der Medizin die Hypnose nicht bezahlbar, in einer für den Patienten optimalen medizinischen Versorgung, in der es nicht nur um finanzielle Gewinne geht, schon. Das bestätigen die unten aufgeführten empirischen Untersuchungen, die wir den Arbeiten von Dirk REVENSTORF entnommen haben.

Wie gut Hypnose auch in der chirurgisch orientierten Routinemedizin einzusetzen ist, haben Lang et al. (2000) in einer randomisierten klinischen Untersuchung dargelegt: 241 hinsichtlich Hypnotisierbarkeit unselegierte Patienten, die sich invasiven diagnostischen und therapeutischen Eingriffen an der Niere und am Gefäßsystem unterziehen mussten, erhielten zunächst alle eine selbstkontrollierbare Sedierung mit Fentanyl und Midazolam für die gesamte Dauer der Prozedur. Ein Drittel erhielt zusätzlich Hypnose und ein weiteres Drittel eine Aufmerksamkeitsablenkungsprozedur, während das letzte Drittel als Kontrollgruppe keine weitere Intervention erhielt. Alle 15 Minuten während und nach dem Eingriff schätzten die Patienten ihre Schmerzen und ihre Angst auf einer Skala von 0-10 ein . Hier zeigte sich, dass sowohl in der Kontroll- wie in der Aufmerksamkeitsgruppe die Schmerzkurve im Verlauf des Eingriffs linear anstieg, während sie in der Hypnosegruppe flach blieb, was einen hochsignifikanten Unterschied darstellt. Die Angstkurve flachte in allen drei Gruppen ab, am stärksten in der Hypnosegruppe. Die Medikation war in der Aufmerksamkeits- und in der Hypnosegruppe signifikant geringer als in der Kontrollgruppe. Nur ein Hypnosepatient, aber 10 Patienten aus der Aufmerksamkeits- und 12 aus der Kontrollgruppe hatten Kreislaufprobleme. Der Eingriff dauerte in der Hypnosegruppe durchschnittlich 61 min, in der Aufmerksamkeitsgruppe 67 min und in der Kontrollgruppe 78 min; der Unterschied zwischen der Hypnose- und der Kontrollgruppe ist signifikant.

Montgomery et al. (2002) konnten bei Brustbiopsiepatientinnen mit einer nur standardisierten Hypnoseinduktion unmittelbar vor dem Eingriff die Schmerzen gegenüber der Kontrollgruppe um zwei Drittel verringern, den Stress um drei Viertel und die postoperative Verweildauer um fast ein Drittel.

In Metaanalysen haben Montgomery et al (2002) die Effektivität von Hypnose als Zusatzintervention bei chirurgischen Eingriffen untersucht. Aus 20 kontrollierten Studien mit 1624 Patienten errechneten sie eine gewichtete Effektstärke von D=1.20. Die mit Hypnose zusätzlich behandelten Patienten hatten ein besseres Ergebnis als 89% der nicht hypnotisch behandelten Kontrollpatienten (routine care oder attention control) hinsichtlich negativer Affekte wie Angst oder Depression, subjektive Schmerzeinschätzungen durch Patienten und Pflegepersonal, Schmerzmedikation, physiologische Indikatoren wie Blutdruck, Katecholaminspiegel etc., Rekonvaleszenz und Dauer des Eingriffs. Die spezifischen Effektstärken waren für subjektive Schmerzratings D=1.69 und für Schmerzmedikation D=1.17. Hypnotisierbarkeit war kein Kriterium. Wenn 89% der Patienten in den Hypnosegruppen von der Intervention profitierten, dann spielt Hypnotisierbarkeit zumindest bei diesem Typ der Anwendung keine so große Rolle, was darauf hindeutet, dass in vielen Fällen die effektive Reduktion des affektiven Schmerzanteils für eine gute Schmerzkontrolle ausreichend ist. Hypnose erweist sich hierfür als außerordentlich wirksam.
 

Mauer et al. (1997) [5] untersuchten in ihrer kontrollierten Studie die Wirksamkeit der Hypnotherapie auf den Heilungsprozess sowie auf die Schmerzwahrnehmung in der postoperativen Phase von orthopädischen Handoperationen an 60 Personen. Ein Teil der Patienten erhielt eine konventionelle medizinische Behandlung, wie sie nach solchen Operationen in der Regel der Fall ist, während der andere Teil zusätzlich mit einer (zwanzig Minuten andauernden) Hypnose behandelt wurde. Erhebungszeitraum waren die ersten vier Tage nach einer Operation. Es zeigte sich in der Hypnosegruppe eine signifikante Verringerung der subjektiven postoperativen Schmerz-Intensität, der affektiven Reaktion auf den Schmerz sowie der Angst der Patienten (“State-Angst” des STAI, Spielberger et al. 1983). Darüber hinaus kam es in dieser Gruppe zu signifikant weniger medizinischen Komplikationen im Kontrollgruppenvergleich. Auch der Heilungsprozess (eingeschätzt durch Ärzte, die die Art der Intervention nicht kannten) schritt bei den mit Hypnose behandelten Patienten signifikant schneller voran.


In der Studie von Meurisse et al. (1999) [8] wurde gänzlich auf Narkotika verzichtet. Hier wurden zwei große Patientenstichproben (zusammen N=339) verglichen, die sich einer plastischen Operation unterzogen. Eine Gruppe erhielt lediglich eine Hypnose, die die medikamentöse Anästhesie ersetzte. Diese wurde über einen Zeitraum von einem Monat (post-operativ) mit einer Stichprobe verglichen, die die gleiche oder ähnliche Operationen unter konventioneller Anästhesie durchführen ließen. Tatsächlich benötigten lediglich zwei der 218 unter Hypnose behandelten Personen noch eine zusätzliche Anästhesie. Diese Patienten berichteten über angenehme Erfahrungen während der Operation, hatten signifikant weniger post-operative Schmerzen und benötigten signifikant weniger Analgetika nach der Operation im Vergleich zur Kontrollgruppe. Außerdem war die Verweildauer in der Klinik bei hypnotischer Analgesie signifikant kürzer als bei der Gruppe, die auf herkömmliche Weise operiert wurde. Entsprechend niedriger gestalteten sich die Kosten für die Behandlung. Die Hypnosegruppe erholte sich auch (signifikant) schneller von der Operation als die Kontrollgruppe und konnte sich beruflich und sozial wesentlich schneller wieder eingliedern.

Enquists Studie (1997) [13] belegt die Wirkung der Hypnose auf postoperative Übelkeit und Erbrechen. 25 Frauen, die sich einer Brustoperation unterziehen mussten, wurden vier bis sechs Tage vor dem Eingriff mit Hilfe von Audio-Kassetten mit Hypnose behandelt. Im Vergleich zu einer 25-köpfigen Kontrollgruppe (randomisierte Zuweisung) berichteten diese Frauen post-operativ über signifikant weniger Erbrechen und Übelkeit (39% verglichen mit 68% in der Kontrollgruppe). Wie in den anderen bereits dargestellten Studien, benötigten die mit Hypnose behandelten Patientinnen auch hier (signifikant) weniger Analgetika zur Linderung des postoperativen Schmerzes.
 


Ashton et al. konnte in zwei Studien den Nutzen der Hypnotherapie als unterstützende Maßnahme bei Bypass-Operationen belegen. In Seiner Untersuchung von 1995 [14] wurden insgesamt 22 Personen am Abend vor einer Bypass-Operation entweder mit oder ohne Hypnose (randomisierte Zuweisung auf die Gruppen) auf den Eingriff vorbereitet. Zusätzlich wurden die Patienten der Experimentalgruppe gebeten, nach der Operation eine weitere (Selbst-)Hypnose durchzuführen. Es zeigte sich, dass sich die Patienten in der Hypnosegruppe nach der Operation signifikant entspannter (Profile of Moods Scale, McNair, 1971) fühlten im Vergleich zur Kontrollgruppe. Bezüglich der empfundenen Depressivität, dem Ärger und der Müdigkeit der Patienten waren ähnliche Tendenzen zu verzeichnen.



 

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